Historische Informationen zur Region 2

Teilregion 2 - Bronze- und vorrömische Eisenzeit

Das historische Gebiet vom Öchsenberg bis zum Schleidsberg. Der keltische Arzberg und Umgebung.


Vacha und der Öchsenberg

Die Stadt Vacha liegt zu Füßen der nördlichsten Rhönberge, wo die Oechse in die Werra fließt, direkt an der thüringisch-hessischen Grenze. Die Gründung geht möglicherweise auf keltische Besiedlung zurück, wie zahlreiche Funde auf dem nahen Öchsenberg belegen. Reste der Höhenbesiedlung aus der Bronzezeit / vorrömischen Eisenzeit wurden dort gefunden. Das 2006 eröffnete Keltendorf am Öchsenberg soll diese keltische Geschichte nacherlebbar machen. Am Öchsenberg (612 m ü. NN) erschließt sich auf der Extratour „Keltenpfad“ über die Paulinenquelle die erhaltenen Reste einer Wallanlage. Sicher ist, dass mehrere gestaffelte Ringwälle existierten. Dazu gibt es einzelne Wallabschnitte.
Der Zugang durch ein äußeres Tor befand sich auf der Südostseite. Vergleichbar mit der Grabbrunnenmauer am Kleinen Gleichberg bei Römhild ist die Sicherung der Paulinenquelle. Der Wanderweg verläuft parallel. Weitere Grabhügel gab es im Gebiet zwischen Vacha - Völkershausen und Sünna, z. B. auf dem Dietrichsberg. Bereits 1908 fand ein Steinklopfer Schmuck der Bronzezeit: drei Radnadeln, eine Brillenspirale, zwei Armringe und ein Stück von einer Armberge. Bei Deicheroda wurde ein Bronzener Halsring (Torques) aus dem 4. Jh. v. Chr. gefunden. Ebenfalls gab es verschiedene Keramikfunde.

Die Grabhügel bei Pferdsdorf

Direkt an der Grenze zwischen Thüringen und Hessen (Pferdsdorf und Mansbach) liegen verborgen auf einem nach Südosten abfallenden Hang sechs bronzezeitliche Grabhügel. Dabei bilden jeweils zwei Hügel eine Grabgruppe, zwei weitere befinden sich unmittelbar nördlich bzw. südlich davon. Die im Gelände erhaltenen Hügel sind ca. 0,50 bis 1 m hoch und haben einen Durchmesser von 8 – 9 m. Die drei direkt an der jetzigen Grenze errichteten Hügel sind nur noch in Resten vorhanden. Zwei von ihnen wurden 1960 von R. Feustel, damals Museum für Ur- und Frühgeschichte Thüringens, Weimar, untersucht. Sie waren durch den Grenzverlauf bereits stark geschädigt. Hügel I wies im Durchmesser 10 m auf und besaß einen äußeren und inneren Steinkreis. In der zentral liegenden, mit einer Steinpackung versehenen Grabkammer befanden sich ein goldener Spiralring und eine Silexklinge. Der ebenfalls mit Steinen abgedeckte Hügel II enthielt eine zentrale Bestattung und eventuell eine Nachbestattung. Als Grabbeigabe fand sich Bronzeschmuck: eine Armspirale, eine Doppelradnadel, drei Scheibenanhänger und ein Scheibenknopf mit Öse (Feustel 1993, 73 f.; Ebner 2001, Kat. Nr. 77.)
In beiden Hügeln waren Skelettreste.

Fundstellen im Gebiet zwischen Buttlar und Bermbach

Zwischen Buttlar und Bermbach gab es verschiedene Funde aus der vorrömischen Eisenzeit. Eine Grabhügelgruppe liegt ca. 1,5 km nördlich von Buttlar (Lindig)- drei im Wald, zwei in der angrenzenden Feldflur. Funde gab es auch am Standofsberg. Dieser befindet sich 1 km westlich von Buttlar. Dort gab es eine früheisenzeitliche Befestigungsanlage. Im Süden der 45 m x 15 bis 18 m großen Bergkuppe ist ein ca. 5 m breiter Graben vorgelagert, der von einem 3 m hohen Wall umgeben wird. Zahlreiche Oberflächenfunde konnten an Osthang des Berges geborgen werden, die die Anlage in die vorrömische Eisenzeit datieren. In der Gemarkung Buttlar befindet sich mit dem 415 m hohen Hubenberg eine weitere markante Bergkuppe.
Direkt unterhalb des südlichen schmalen Gipfelplateaus stammen zahlreiche früheisenzeitliche Scherben und Bruchstücke von Reibemühlen. Eine Befestigung in Form eines Basaltwalles ist nicht mehr sichtbar, aber anzunehmen.

Die "Schnabelkanne von Borsch" - ein europäisch bedeutsamer Fund

In einem Waldstück etwa 1,5 km nördlich des Ortes liegen zwei einzelne Grabhügel in Hanglage zur Ulster. Hügel I wurde von Schatzsuchern bereits 1869 geplündert und damit zum größten Teil zerstört. Der Eingriff erfolgte durch die Anlage eines Schachtes vom höchsten Punkt des Hügels aus in sein Zentrum. Die Grabräuber vermuteten Grabbeigaben in der Mitte des Hügels. Der Durchmesser des Hügels war ca. 7 m. Die Höhe betrug ehemals nicht mehr als 1,20 m. Hügel II ist im Auewald nur schwer zu finden. Beide Grabhügel sind 1963 von ehrenamtlichen Bodendenkmalpflegern unter Leitung von G. Sennhenn im Gelände aufgenommen worden.
Nachträglich gelangte Fundmaterial aus dem Grabhügel I in der Borscher Aue zu Prof. F. Klopfleisch und damit in die urgeschichtliche Sammlung der Friedrich-Schiller-Universität Jena. 

Neben einem Keramikgefäß, Nadelholzpech, Teilen eines eisernen Hiebmessers und einem Bronzeblech mit der Abbildung eines Paarhufers waren es die Reste einer bronzenen Schnabelkanne, die dem Grab aus der Borscher Aue einen festen Platz in der europäischen Forschung zu den frühen Kelten sicherten. Die Raubgräber beschädigten die ursprünglich vollständig als Beigabe in das Grab gelangte Kanne. Es sind nur Teile der Ausgusstülle und der Henkel in Tiergestalt original erhalten. H. Storch (F-S-Uni Jena) rekonstruierte die Kanne. Es ist das bisher einzige frühkeltische toreutische Erzeugnis (antike Relief-/Grafikkunst) Thüringens. Die Gesamthöhe beträgt 38 cm, der größte Durchmesser im Schulterbereich 23 cm und das Fassungsvermögen liegt bei ca. 5 Litern. Eine Nachbildung befindet sich jetzt im Besitz des Fördervereins "Eisenzeitlich keltische Geschichte in der Rhön" (Leihgabe im Museum Vacha) und eine im Stadtmuseum Geisa.

Der Schleidsberg bei Geisa

Südöstlich von Geisa liegt der Schleidsberg, der ebenfalls antike Funde vorweisen kann. Mit 502 m ü. NN ist er die höchste Erhebung im mittleren Ulstertal. Ein sehr flacher Wall verläuft entlang der 490 m- Höhenlinie am West- und Nordwesthang des Berges und sichert die kleine Burginnenfläche um den Gipfel. Zwei Abschnittswälle auf der westlichen Seite schützten möglicherweise ein Tor. Der steile Osthang des Berges bot natürlichen Schutz.
Von der Wallinnenfläche hat der Bodendenkmalpfleger A. Henning aus Geisa viele Oberflächenfunde, besonders Keramik, geborgen. Auffallend ist das zahlreiche Vorkommen von Reibmühlenbruchstücke, was auf eine rege Siedlungstätigkeit und/oder örtliche Produktion während der späten Bronzezeit schließen lässt. Auch laténezeitliche Keramik wurde gefunden. Aufgrund des sich 5 km südöstlich des Berges befindlichen Fundplatzes der Borscher Kanne verdient dies besonderer Beachtung. Auch Funde aus mindestens einem laténezeitlichen Körpergrab nordwestlich von Geisa könnten mit der Besiedlung auf dem Schleidsberg in Verbindung stehen (vgl. Vonderau 1931, 72).

Der Arzberg 

Der 572,5 m hohe Nachbarberg Arzberg liegt bei Otzbach, 3 km von Bremen, zwischen dem Ulster- und dem Feldatal. Unterhalb des Gipfels befindet sich ein kleiner Ringwall aus der vorrömischen Eisenzeit. Im Südwesten wird der Wall unterbrochen. Dort befindet sich eine gut ausgeprägte Toranlage. Der Wall umschließt eine Fläche von 130 m (N-S) x 120 m (W-O). Im Norden ist vor dem Wall eine flache Berme (eine Art Absatz). An der Nordseite des Arzbergs zieht sich ein Pingengelände (Schacht-/Trichterreste aus dem Eisenabbau) entlang, die sogenannte „Eisenkaute“. Im mittleren Muschelkalk wurde ein Eisenvorkommen abgebaut (vermutlich noch vor 150 Jahren). Diese Anlagen befinden sich jetzt in der Kern- und Pflegezone des Biosphärenreservates Rhön und sind dadurch nur noch eingeschränkt zugänglich. 

Die Teilregion rund um Dermbach - Hessenkuppe

Die Hessenkuppe (auch Röderburg, ca. 680 m ü. NN) ist ein tiefer liegender Ausläufer der Sachsenburg. Im Vergleich mit den bekannten Wallburgen Südthüringens ist die Hessenkuppe eine kleinere Anlage mit einfachem Wallring. Bekannt wurde die Wallanlage als urgeschichtliche Höhensiedlung. Erste Funde wurden Anfang des 20. Jahrhunderts (W. Lange) bekannt. Neben bronze- und eisenzeitlicher Keramik sind es Reibmühlenbruchstücke, die schon früh das Interesse der Forschung erweckten. Neben der normalen Nutzung der Handmühlen im Alltag wird bis heute eine örtliche Fertigung der Mühlen auf dem Berg für möglich gehalten. Auch in jüngster Zeit wurden bei Begehungen der Wallinnenflächen von A. Henning. gelegentlich Mühlsteinbruchstücke gefunden. Hinweise auf eine Besiedlung der Hessenkuppe während der Laténezeit sind neben der Keramik eine eiserne Schere, ein bandförmiger Gürtelhaken und vier eiserne Ringe (Götz/Höfer/Zschiesche 1909, 216; Vonderau 1931, 71 ff.; Donat 1966, 127; Bahn 1994a, 122f.)

STRECKEN

Nordroute - 2. Streckenabschnitt

Stadtlengsfeld – Martinroda – Vacha - Sünna

Diese Route führt über 2 Berge mit historischen Funden: Der Baier bei Stadtlengsfeld und der Öchsenberg mit dem Keltendorf. (Foto: Blick auf den Baier) mehr >

Nordroute - 3. Streckenabschnitt

Sünna – Pferdsdorf – Bermbach

Diese Route führt durch schöne Rhöndörfer und sanfte Hügellandschaft. Dort lohnt ein Abstecher auf historischen Pfaden zu den bronzezeitlichen Grabhügeln „Überm Haberts“ (Foto). mehr >

Nordroute - 4. Streckenabschnitt

Bermbacher Sängerwiese- Borsch - Geisa

Wandern auf den Spuren der Kelten: Hier gab es einen europäisch bedeutsamen Fund - die Borscher Schnabelkanne. mehr >

Nordroute - 5. Streckenabschnitt

Geisa - Emberg

Im idyllischen Rhönstädtchen Geisa kann man auf historischen Pfaden wandern oder Rad fahren. Ein Besuch des Museums und der Ulsteraue lohnen sich. Von Geisa aus sieht man den Schleidsberg (Foto), auf dem historische Wallanlagen nachgewiesen wurden. mehr >

ERLEBNISSE

Erlebnisse an der Rhöner Keltenroute

Das Keltendorf Sünna

Regelmäßige Feste im Keltendorf lassen das Leben vor 2.500 Jahren wieder lebendig werden. mehr >

Museen und weitere Informationen

Das Stadtmuseum Geisa

Als besonderer Höhepunkt wird im Stadtmuseum Geisa eine Replik der keltischen Schnabelkanne des Instituts für Ur- und Frühgeschichte der Universität Jena gezeigt. Reste der Kanne wurden in der Nähe des Geisaer Stadtteils Borsch in der sogenannten Borsch mehr >