Die Rhön und die Kelten

Keltische Zivilisation in der Rhön?

Die Bevölkerung der Rhön gehörte spätestens seit dem Beginn der Latènezeit dem keltischen Kulturkreis an. Der neue Kunststil, der den Beginn dieser Epoche kennzeichnet, wurde hier in eigenständige, die Kenntnis etruskischer Kunstwerke voraussetzende Schöpfungen umgesetzt. Genannt seien die Schnabelkanne von Borsch, die Maskenfibel von Ostheim, der Maskentorques von Stöckels und die Vogelkopffibeln von der „Steinsburg“.

Die Randlage der Region zu den keltischen Kerngebieten bedingte jedoch stets ein eigenständiges kulturelles Gepräge, in dem sich neben den bestehenden südlichen schon frühzeitig nördliche Bezüge und Einflüsse zeigten.
In der älteren Latènezeit zeigt sich das an den „Tutulusnadeln“ mit denen die „Rhöner“ Frauen einen textilen Kopfschmuck im Haar befestigten. Diese Nadelform stammte aus dem nichtkeltischen Norden.

In der jüngeren Latènezeit wurden an vielen Orten der Rhön typisch „keltische“ Produkte wie Glasperlen und -armringe, Sapropelitschmuck, Handdrehmühlen und Graphittonkeramik verwendet. Bestimmte Drehscheibenware und manche Fibeln weisen gleichwohl auch auf intensive Beziehungen zur Bevölkerung nördlich des Thüringer Waldes hin. Die für die kernkeltischen Gebiete so typische „Nauheimer Fibel“ wurde in der Rhön nur selten gefunden. Bislang fehlt in der Region der Fund eines keltischen Kultzentrums in Form einer „Viereckschanze“. Es bestanden hier jedoch während der jüngeren Latènezeit mehrere „keltische“ stadtähnliche Siedlungen (Milseburg und „Steinsburg“ auf dem Kleinen Gleichberg) sowie Siedlungen mit konzentrierten, für den Export arbeitenden Handwerk („Widderstatt“ bei Jüchsen und Brendlorenzen).

Die erwähnten zentralen und spezialisierten Siedlungen in der Rhön wurden nach dem Zusammenbruch der keltischen Zivilisation spätestens bis Mitte des 1. Jh. v Ch. aufgegeben. Viele Siedlungen auf dem Land blieben gleichwohl bestehen, so beispielsweise die von Königshofen, Aubstadt oder Henfstädt, eventuell auch von Sülzdorf und Fulda. Die keltisch geprägte Altbevölkerung vermischte sich hier mit den germanischen Neuankömmlingen.